Klass!

Klass-Filmbild-77906“Klass” ist ein Spielfilm aus dem Jahr 2007. Regie bei der Produktion aus Estland führte Ilmar Raag, der sich auch für das Drehbuch verantwortlich zeigt. Bei “Klass” handelt es sich um ein ebenso brisantes wie hochaktuelles Sozialdrama, das die Themen Mobbing und Amok in seiner ganzen Härte aufzeigt.

Joosep wird von seiner Klasse gemobbt, wo es nur geht

Joosep (Pärt Uusberg) ist der typische Außenseiter und Prügelknabe seiner Klasse. Täglich wird keine Situation ausgelassen, in der er nicht von seinen Mitschülern gehänselt wird. Die Schikanen gehen von Anders (Lauri Pedaja) aus, der Rädelsführer ist und hoch in der Gunst seiner Klasse steht. Das Mobbing ist jedoch nicht nur auf den Kreis um Anders begrenzt – das Verhalten gewinnt an Eigendynamik und auch die Klassenbesten ebenso wie die Mädchen beteiligen sich an dem Mobbing. Doch da ist noch Kaspar (Vallo Kirs). Dem wird die ganze Situation irgendwann zu viel, als die anderen Schüler Joosep nach der Sportstunde nackt in die Mädchenumkleide sperren.

Er lässt Joosep aus der Umkleide, doch natürlich entgeht das auch Anders nicht, der dafür sofort Kaspar attackiert. Selbst als Kaspar am Abend mit seiner Freundin Thea (Paula Solvak) auf eine Party geht, auf der Anders ebenfalls ist, greift der das Thema sofort wieder auf und gibt Kaspar zu verstehen, dass es unerwünscht ist, dass er Joosep zur Seite steht. Doch für Kaspar ist es bereits eine Frage der eigenen Ehre und so kommt es zu einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen den beiden Jungs. Tags darauf verschärfen sich dann die Schikanen für Joosep. Jemand entwendet die Hausaufgaben von Joosep.

Gnadenlos und ohne Entrinnen steuern die Protagonisten auf ein grausames Finale zu

Der teilt das dem Lehrer mit, der darauf hin anordnet, dass die Schüler nun so lange im Unterricht stehen müssten, bis derjenige sich meldet, der die Hausaufgaben von Joosep genommen hat. Allerdings meldet sich der nicht. Das wiederum führt dazu, dass nun die ganze Klasse richtig sauer ist auf Joosep. Außerdem wird Kaspar unschuldig bezichtigt, dass er die Unterlagen entwendet hätte und sich dafür dann im Rektorat rechfertigen muss. Für Joosep ist unterdessen klar, dass er Kaspar durch die Hilfe, für die er anfangs dankbar war, mit in diesen Strudel der Demütigung hineinzieht und er bittet Kaspar daher, ihm nicht weiter beizustehen. Doch der denkt überhaupt nicht daran, Joosep im Stich zu lassen.

Die anderen Schüler lotsen Joosep und Kaspar mit gefälschten E-Mails an den Strand, um beide als schwul zu überführen. Tatsächlich kommen beide an den Strand, ohne zu wissen, was Sache ist. Doch da kommen auch Anders, seine Kumpels und Kaspars Freundin hinzu. Für Thea wird es zu viel und sie macht vor allen Schluss mit Kaspar. Anschließend gerät die Situation völlig außer Kontrolle und Anders zwingt Kaspar mit einem Messer in der Hand, Joosep oral zu befriedigen. Das war jedoch der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Bis auf die Knochen gedemütigt schmieden Kaspar und Joosep einen verheerenden und grausamen Plan, denn sie sehen keinen anderen Ausweg mehr: beide wollen nun an ihrer Schule einen Amoklauf starten.

Klass analysiert die möglichen Ursachen für eine solche Schreckenstat

“Klass” zeigt in etwa eine Woche vor einem Amoklauf auf. Detailliert und schonungslos analysiert Regisseur Raag die Gewalt, die sich immer weiter hochschaukelt und letztlich in einem Blutbad endet. Und selbst nach dem Amoklauf demonstrieren die Protagonisten den unsäglichen Hass, der sich wegen des massiven Mobbings aufgestaut hat. Geschickt werden Schlüsselszenen mit einer an die jeweilige Situation angepassten Musik in ihrer Gefühlswirkung für die Zuschauer verstärkt, sodass diese Teil der Geschichte werden und sich beinahe unbewusst auf die Seite der beiden Jungs schlagen. Darin liegt die eigentliche Stärke dieses Sozialdramas: der Kinobesucher kann mit den beiden Schülern mitfühlen. Damit zeigt “Klass” auf eine erschreckende Weise, wie und warum sich ein Amoklauf aufbauen kann. Keineswegs versucht “Klass” solche Geschehnisse zu verherrlichen – im Gegenteil. Dafür aber regt der Film zum ernsthaften Nachdenken an, dass eine solche Tat unter Umständen durchaus vermeidbar wäre, wenn Themen wie Mobbing ernsthafter thematisiert würden.

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